Lipödem Ernährung

Gibt es eine Lipödem Ernährung?

Kann das Lipödem über die Ernährung beeinflusst werden? Was, wenn die falsche Ernährung zum Fortschreiten der Krankheit führt? Oder: Kann die für mich passende Ernährung die Fettverteilungsstörung positiv zum Stillstand bringen?

Diese Fragen stellte ich mir nach der Diagnose Lipödem. Natürlich nicht sofort, erst einmal war ich damit beschäftigt, mich mit der „dicke-Beine-Krankheit“ und den angeblich nicht vorhandenen Heilungschancen zu arrangieren. „Ein Lipödem ist nicht heilbar“, so sagt die Schulmedizin. „Nur eine Fettabsaugung (Liposuktion) hilft“, sagen die operierenden Chirurgen. Die Krankenkassen schweigen, sie bezahlen allenfalls begleitende Maßnahmen wie Kompressionstherapie und Lymphdrainage. Weder mit dem einen noch mit dem anderen gab ich mich zufrieden.

Immer wieder las ich in Broschüren und auf vielen Websites: „Ernähren Sie Sich ausgewogen“, verbunden mit den Ernährungsempfehlungen der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung). Nach diesen Empfehlungen habe ich mich jahrelang gerichtet, ich aß lange fettarm und kohlenhydratreich. Das Resultat war nicht nur dicke Beine, insgesamt hatte ich deutlich Übergewicht. Das möchte ich nun nicht nur der DGE in die Schuhe schieben. Doch offensichtlich passte dieses Konzept für mich nicht.

Leere Teller symbolisieren die vielfaeltigen Moecglichkeiten: Lipoedem Ernaehrung

Wie ernähre ich mich bei Lipödem?

Glücklicherweise haben wir das Internet. Ohne dieses wäre ich wohl nicht bei meiner Recherche über die Beiträge eines Arztes aus Göttingen gestoßen. Dieser Arzt behandelt viele Frauen mit Lipödem und empfiehlt ihnen, sich antientzündlich zu ernähren. Er erklärt in einem kostenlosen Webinar (für das ich ihm sehr dankbar bin), dass auch das Lipödem eine Folge von Entzündungen ist.

Alles, was ich Dir nun erzähle, ist übrigens kein Fachwissen. Es ist das, was mir als Laie an Informationen zur Verfügung stand und wonach ich mich in den letzten Jahren gerichtet habe. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden: ich wiege nicht nur mehr als 50 Kilo weniger, ich habe auch das Lipödem deutlich reduziert und trage nur noch selten Kompression. Dieser Artikel soll aber bitte keinen Arztbesuch ersetzen – er ist nur ein Erfahrungsbericht einer Betroffenen.

Entzündungen also. Das passte zu meinen damaligen Blutwerten: der Entzündungsmarker war bei mir chronisch erhöht, auch ohne Infekte. Wobei ich, nebenbei bemerkt, oft mit Infekten zu kämpfen hatte. Mein Immunsystem war eindeutig im Keller. Ich lernte, dass der größte Teil unseres Immunsystems im Darm steckt. Vom Darm aus wird unsere Infektabwehr gesteuert. Funktioniert der Darm nicht so wie er soll, ist es auch um unsere übrige Gesundheit nicht zum Besten bestellt.

Außerdem plagte mich häufig Durchfall und ich hatte chronische Schmerzen im Bereich des Blinddarms. Der wurde mir entfernt, was an den Schmerzen allerdings nichts änderte. Als ich im oben erwähnten Webinar hörte, dass meine Probleme zum Teil in meinem Darm begründet sein könnten, war das für mich sofort schlüssig. Möglich, dass es dir da anders geht. Dass du dich gesund fühlst und dir dein Darm keine Probleme bereitet. Trotzdem lade ich dich ein, weiterzulesen und vielleicht etwas davon umzusetzen.

Antientzündliche Ernährung

Wenn der Darm einer der Hauptakteure in Sachen Gesundheit ist, lag es für mich nahe, auch dort anzusetzen. Wenn das, was in meinem Darm hineinkommt, mitentscheidend ist dafür wie es ihm geht, wollte ich ihn ab sofort nur noch mit guten Sachen füttern. Und die eher schlechten draußen lassen.

Zu den potentiell entzündungsfördernden Lebensmitteln gehören

  • Weizen und jedes andere glutenhaltige Getreide
  • Milchprodukte
  • Hühnerei
  • Zucker
  • Hefe
  • alle Arten von Zusatzstoffen (E-Stoffe, Konservierunsgstoffe, …)
  • teilweise auch Nachtschattengewächse (Tomate, Paprika, Aubergine)

Eine ziemlich heftige Liste, oder? Für mich eine echte Herausforderung, denn Milchprodukte wie Käse, Sahne und Quark gehörten zu meinem Lieblingslebensmitteln. Zudem hatte ich gerade erst meine Ernährung auf LCHF umgestellt, Eier gehörten quasi zu meinen Grundnahrungsmitteln…

In der Hoffnung, vielleicht das ein oder andere doch noch essen zu können, machte ich einen IgG-Antikörpertest. Das ist ein Test, bei dem Antikörper im Blut erkannt werden, die als Reaktion auf den Verzehr bestimmter Lebensmittel auftreten. Ich ließ 260 Lebensmittel testen. Auf über 80 reagierte ich mit Antikörpern, also ein deutliches Zeichen dafür, dass eine Menge Unverträglichkeiten vorlagen. Möchtest du wissen, auf welche Lebensmittel ich am stärksten (Stufe 3 von 3) reagierte? Du wirst es nicht glauben, aber es waren genau diese:

  • Weizen und jedes andere glutenhaltige Getreide
  • Hühner- und Wachtelei
  • Milchprodukte von Kuh, Schaf und Ziege
  • Hefe

Auf Tomate, Paprika und Aubergine reagierte ich ebenfalls, allerdings abgeschwächter. Es half also nichts. Ich musste in den sauren Apfel beißen und akzeptierte zähneknirschend die Einschränkungen. Immerhin, so der Plan, sollten die Unverträglichkeiten verschwinden, wenn ich die für mich schädlichen Lebensmittel über einige Monate vollständig mied.

Fleischessende Veganerin

So entwickelte ich mich unfreiwillig zur Veganerin – mit der Ausnahme, dass ich nach wie vor Fleisch und Fisch aß. Gleichzeitig wollte ich mich weiterhin ketogen ernähren, denn mit der ketogenen Ernährung sah ich die Pfunde nur so purzeln.

Die Anfangszeit war wirklich nicht einfach. Den Zuckerentzug hatte ich zum Glück schon durch, allerdings war der Entzug der Milchprodukte nicht weniger heftig. Auch Einladungen gestalteten sich schwieriger als es ohnehin schon war. Rückblickend war diese Zeit wahrlich kein Zuckerschlecken. Aber der Verzichte lohnte sich. Denn es ging mir nie besser als zu dieser Zeit, als ich alle positiv getesteten Lebensmittel weggelassen habe.

Übrigens muss es nicht sein, dass du auch auf diese ganzen Lebensmittel reagierst. Mit LCHF meidest du bereits die größten Übeltäter: Gluten und Zusatzstoffe. Allerdings ist meine Beobachtung, dass mit den Milchprodukten bei LCHF zu großzügig umgegangen wird. Wenn nicht mehr Gemüse der Hauptbestandteil deiner Ernährung ist, sondern Milchprodukte, dann läuft eindeutig etwas falsch!

Ansonsten lautet mein Tipp: versuch es erstmal mit der ketogenen Ernährung und schau, wie es dir damit geht. Meide unbedingt Zusatzstoffe und Gluten, achte auf eine hohe Qualität der Lebensmittel die du isst. Das ist wirklich das A und O auf dem Weg, gesund zu werden. Sei etwas zurückhaltender bei Milchprodukten und Eiern. Später kannst du immer noch ausprobieren was passiert, wenn du sie vollständig weglässt.

Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg auf deinem Weg – wenn du magst, schreib mir gerne in die Kommentare oder auch per Mail, wie es dir bei der Umstellung auf eine antientzündliche Keto-Ernährung geht.

 

4 Comments

  1. Sara

    Hallo!
    Der Artikel spricht mir quasi aus dem Herzen. Ich habe mich noch nicht auf Lipödem testen lassen, aber vieles spricht dafür, dass es auch bei mir so ist.
    Mit dem Darm habe ich auch oft Probleme und traue mich fast gar nicht mehr mit Freunden essen zu gehen, weil ich kurze Zeit später heftige Magenkrämpfe bekomme.
    Bei welchem Arzt lässt man den IgG-Antikörpertest machen?
    Liebe Grüße

    1. Anne

      Liebe Sara, freu mich, dass du hierher gefunden hast! Mit deinen Magenkrämpfen tut mir richtig leid. Im normalen Alltag kommst du aber zurecht? Vermutlich weißt du da schon, was du verträgst und was besser nicht?
      Den Antikörpertest kannst du am besten bei einem Heilpraktiker machen lassen oder bei einem Arzt, der naturheilkundlich arbeitet. Es gibt auch einige kritsche Stimmen zum Test – ich für mich kann allerdings sagen, dass er sich für mich bewährt hat. Leider musst du den Test aus eigener Tasche bezahlen.
      Auf keinen Fall jedoch machst du etwas verkehrt, wenn du schonmal die im Artikel aufgeführten Lebensmittel weglässt. Damit sollten sich schon zügig erste Verbesserungen einstellen.
      Alles Gute Dir! Liebe Grüße,
      Anne

  2. Ulla

    Hallo, ich habe Lip-/Luymphödeme, dass schon seit Jahren. Laut meinem Arzt habe ich zwar untypische Lymphödembeine, aber man kann es schon sehen. Ich habe schon HCG, LC, Ketogen und LCHF hinter mir und nichts abgenommen, sondern jetzt mehr als vor zwei Jahren auf der Waage. Meine Frage, ich befasse mich seit letzter Woche mit Mitochondrien und bin fast nur im Internet auf der Suche nach DER ERNÄHRUNG. Darf ich fragen was du bei Ketogen isst? Ich hatte damals auch Quark gegessen, Fleisch ist nicht gerade mein Favorit und irgendwann hatte ich Probleme mit dem Fett. Wie viel Fett nimmst du zu dir? Muss man in Ketose sein? Kennst du die Seite von Dr, weiss?
    Liebe Grüße

    1. Anne

      Liebe Ulla,

      ja, bei den Mitochondrien bist du auf der richtigen Fährte! Das scheint mir auch das Hauptproblem zu sein, dass die Kraftwerke unserer Zellen nicht mehr so richtig arbeiten und jetzt Hilfe benötigen.
      Schau doch mal nach dem Autoimmnunprotokoll oder nach Büchern/Videos von Dr. Terry Wahls. Sie hat sehr erfolgreich ihre MS in Remission gebracht.
      Phasenweise habe ich mich auch nach dem Autoimmunprotokoll ernährt, das hat mir rückblickend sehr gut getan.
      In der Anfangsphase habe ich mich hauptsächlich von kohlenhydratarmen Gemüse, Kokosmilch- und Fett, sowie fettem Fleisch/Fisch ernährt. Eier (die sonst unbedingt zu LCHF und einer ausgewogenen Ernährung gehören) habe ich weggelassen, ebenso die Milchprodukte. Milchprodukte werden bei LCHF in Maßen empfohlen. Bei entzündlichen Prozessen im Körper würde ich persönlich immer dazu raten, Milchprodukte wegzulassen. Aber das ist sehr individuell und kannst du gerne für dich austesten, was dir da hilft.
      Magst du denn Fisch? Das könnte evtl eine Alternative zu Fleisch sein und liefert dir ebenfalls hochwertiges Eiweiß. Wichtig ist, dass dein Körper genügend Eiweiß zur Reparatur hat.
      Ketose halte ich gerade beim Lipödem für sinnvoll und hilfreich – wichtiger wäre mir aber tatsächlich eine ausgewogene und gute Nährstoffversorgung.
      Auch Nahrungsergänzungsmittel (allen voran Vitamin D und Jod) können gerade in der Anfangszeit hilfreich sein. Dazu am Besten von einem Arzt oder Heilpraktiker beraten lassen.
      Alles Gute Dir! Liebe Grüße,
      Anne

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